Frieden mit der Vergangenheit, frei von Altlasten

Mehrere Beziehungen: heute etwas ganz Normales 

Etwa jede dritte Ehe wird geschieden, in den Großstädten bald jede zweite. Damit ist für die bestehenden Lebensgemeinschaften auch ein relativ hoher Prozentsatz an Zweit-, Dritt-, Viert- oder X .Lebensgemeinschaften anzunehmen. Das ist eine Realität. So können auch Sie, jetzt vielleicht mit neuem Mut auf der Suche nach einer neuen Beziehung, die nächste Beziehung als etwas Normales in unserer Gesellschaft ansehen. Das muss Ihnen nicht peinlich sein.

Zwischen Erst-, Zweit- und weiteren (Ehe-) Beziehungen liegen, insbesondere wenn Kinder aus vorhergehenden Beziehungen vorhanden sind, gewaltige Unterschiede. Sie tragen am besten zum Gelingen der nächsten Beziehung bei, wenn Sie diesen Unterschieden große Aufmerksamkeit widmen. 




Harmoniestreben kann tödlich sein

Einer von beiden, vielleicht sogar beide, vielleicht Sie .... haben in der / den vorangegangenen Beziehung (en) schmerzvolle Erfahrungen gemacht und wollen auf jeden Fall vermeiden, dass die nächste Beziehung wieder schief und ins Aus läuft. Deshalb wird mit großen Anstrengungen alles vermieden, was die Harmonie stören könnte, ja, es wird für die neue Beziehung mehr Harmonie erwartet, als diese je in den vorhergehenden Beziehungen gegeben war. Das bringt alle unter sogar teilweise wachsenden Erfolgsdruck und führt oft, auch bei den Kindern, zur Rebellion gegen das „Jetzt ist alles anders und besser“. Die unter Harmoniebrei vertagten Konflikte, die aus Unverträglichkeiten, Unbehagen, Anpassungsdruck und fehlender wie wahrhaftiger Kommunikation entstehen führen zu aktiver wie passiver Aggression. 

Besser wäre es für alle, das anfängliche Chaos zu akzeptieren, Geduld zu haben. So kann sich mit einem Rest von Fremdheit Vertrautheit, die Chance für größeren Freiraum und soziale Kompetenz für die Mitglieder der neuen Familie entwickeln, jedenfalls, wenn mit der Ursprungsfamilie verglichen wird.  Und besser wäre es, sich als Paar auf die Beziehungspflege auszurichten, sich bei aller Rücksicht auf die Kinder Zeit für all das zu nehmen, was beide zusammen oder auch jeden für sich glücklich und zufrieden macht. Sicher gehört dazu, miteinander mit großer Offenheit und Wahrheit unter Verzicht auf Kolonialisierung und Machtausübung über Gefühle und Gedanken zu reden, die die Beziehung stören oder Distanz zum Anderen entstehen lassen.

Darüber mehr unter 35 Tipps, Empfehlungen und Tipps für den Alltag und Trainings.

Der Vater bleibt der Vater, die Mutter bleibt die Mutter

Der Neue, die Neue ist nicht der Vater, ist nicht die Mutter, kann nur väterlicher Freund oder mütterliche Freundin sein, hat sich weitestgehend aus der Erziehung herauszuhalten, kann Respekt und (Be-) Achtung der für die Lebensgemeinschaft definierten „guten“ Regeln einfordern. Zurückhaltung reduziert das aus Papa - Mama - Ersetzen - Wollen resultierende Konfliktpotenzial und lässt weniger Gefühle aufkommen, dass die echte Mutter, der echte Vater nach und nach verdrängt werden soll. Viel besser ist es dazu beizutragen, dass die Kinder unbehindert Kontakt zum jetzt nicht so leicht erreichbaren Elternteil halten können und mit großer Geduld auf einen störungsfreien Kontakt zwischen den Partnern hinzuarbeiten. Und sicher bedeutet das auch darauf zu verzichten, den nicht anwesenden Elternteil vor den Kindern schlecht zu machen.

Der neue Partner ist nicht der Erste sondern der Zweite

Wer auch immer in einen bestehenden Familienverband mit einem Elternteil eintritt: er oder sie muss akzeptieren, er hat sich in ein bestehendes System zu integrieren, in dessen Hintergrund insbesondere für die Kinder der  ausgeschiedene Partner immer noch eine wichtige Rolle spielt, ja, immer haben wird. Das bedeutet anzuerkennen, dass dem ausgeschiedenen Partner auch bei vorangegangen schlechter Behandlung, jedenfalls von den Kindern, Loyalität entgegengebracht wird. Das bedeutet anzuerkennen, der zweite, dritte oder auch vierte Partner zu sein, ebenso, dass bei aller Liebe und vielleicht erstmals wirklichem Glück Verbundenheit zu den Verflossenen besteht und z. B. wegen der Kinder Kontakt gehalten werden muss. Nichtanerkennung dieser Tatsachen führt in einen aussichtslosen Konkurrenzkampf und zieht erfahrungsgemäß Störungen nach sich, die die neue Beziehung bis zum Crash belasten können.

 

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